Stadt kann Pokémon nicht von der Girardet-Brücke vertreiben, Westdeutsche Zeitung v. 12.08.2016

Verwaltung hat den Hersteller gebeten, drei von vier Pokéstops an der Girardet-Brücke lahmzulegen. In Köln hat so etwas geklappt, aber eine rechtliche Handhabe gibt es nicht.

Von René Schleucher

Düsseldorf. Erst wurden die Pokémon-Spieler auf der Girardet-Brücke mit Sitzbänken und Klos versorgt. Jetzt will man sie loswerden. Ein Stadtsprecher bestätigte am Freitag, dass die Verwaltung beim Spielehersteller beantragt hat, „drei der vier Pokéstops im Umfeld der Girardet-Brücke zu entfernen“. Diese Ansammlung von Pokéstops auf engem Raum ist der Grund dafür, dass viele Fans gerade dort spielen. „Die Stadt geht davon aus, dass der Hersteller das zeitnah macht, so dass mit Ende der Ferienzeit die Girardet-Brücke wieder normal genutzt werden kann.“

Handelt es sich um eine virtuelle Sondernutzung des Straßenraums?

Wie berichtet, beginnt am ersten Schultag nach den Ferien der Aufbau für das Gourmet Festival, das vom 26. bis 28. August parallel zum NRW-Tag stattfinden soll. Fünf Ess-Stände sind auf der Girardet-Brücke geplant. Das dürfte nur funktionieren, wenn dort nicht wieder mehrere hundert Pokémon-Spieler versammelt sind.

Problem: Die Stadt kann den Hersteller nur bitten, sie hat keine rechtliche Handhabe. „Das ist juristisches Neuland“, erklärt Robert Hotstegs, Fachanwalt für Verwaltungsrecht. „Ich sehe da keinen Ansatzpunkt.“ Das scheint auf den ersten Blick zu verwundern, denn im Hintergrund stehen die kommerziellen Interessen eines Unternehmens. Handelt es sich hierbei um eine virtuelle Sondernutzung des Straßenraums? Dann müsste die Stadt die Pokéstops genehmigen – und könnte womöglich Gebühren kassieren. Hotstegs aber ist skeptisch: „Dieser Gedanke überzeugt mich nicht, denn die Menschenansammlung ist ja eher eine Nebenfolge des Spiels.“ Tatsächlich ist der Hotspot an der Girardet-Brücke mehr oder weniger zufällig entstanden (siehe rechts). Hotstegs vergleicht den Fall mit Menschen, die vor einem Laden campieren, weil sie dem Verkaufsstart eines Produktes entgegenfiebern: „Da ist auch niemand auf die Idee gekommen, das als Sondernutzung geltend zu machen.“

Die Stadt kommt zu einem ähnlichem Schluss: „Kennzeichnend für die Sondernutzung ist, dass sie andere von der bestimmungsgemäßen Nutzung derselben Fläche mehr oder minder ausschließt, das ist hier aber gerade nicht gegeben, denn eine solche Nutzung liegt nicht im Anlegen des so genannten Pokéstops.“

Die Stadt muss also hoffen, dass der Hersteller freiwillig abschaltet. Dass dies nicht aussichtslos ist, zeigt das Beispiel Köln. Dort gab es im Dom einen Pokéstop sowie eine virtuelle Arena, in der Spieler Pokémon gegeneinander antreten lassen können. „Das empfanden wir als nicht angemessen für einen Sakralbau“, sagt Matthias Deml von der Dombauhütte. „Wir haben einen Medienanwalt eingeschaltet, der Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen hat.“ Mit Erfolg: Nach einigen Tagen waren Pokéstop und Arena verschwunden – und mit ihnen alle Pokémon.

So kam die Kö zum Hotspot

Dass die Girardet-Brücke mit ihren vier Pokéspots zum wichtigsten Treffpunkt für die Fans wurde, ist womöglich dem Zufall und einer Vorliebe des Spiele-Herstellers Niantic für historische Objekte zuzuschreiben. Die Auswahl der Pokéstops basiert auf dem Vorgängerspiel Ingress: Dort können die Spieler selbst Vorschläge für neue Fixpunkte machen, die gegebenenfalls vom Hersteller übernommen werden. Im Kriterienkatalog heißt es, dass Objekte „von historischer Bedeutung“ besonders gern aufgenommen würden. An der Girardet-Brücke wurden vier solcher Orte definiert: Einer bezieht sich auf den Goldenen Hahn am Girardet-Haus, die anderen drei auf die Leuchten an den historischen Brückenpfeilern. Bemerkenswert: Üblicherweise achtet Niantic auf größere Abstände zwischen den Fixpunkten. Dass es hier vier in solcher Nähe gibt, hat überregional Seltenheitswert.

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