Die Akte Sheeran: Das Protokoll der unendlichen Geschichte um Ed Sheeran, Express v. 27.06.2018

Von Christoph Borschel

Düsseldorf – Die Affäre rund um das Konzert von Ed Sheeran hat mittlerweile Ausmaße angenommen, die wohl mehrere Aktenordner füllen würde.

Zeit, die bisherigen Ereignisse einmal zusammenzufassen. EXPRESS wirft einen Blick in die „Akte Sheeran“ – eine Chronologie.

Am Anfang war der Vogel…

Alles beginnt mit der Feldlerche in Essen. Denn ursprünglich war das Ed Sheerans’ für den 22. Juli auf dem Flugplatz in Essen/Mülheim vorgesehen.

Doch weil dort die bedrohte Feldlerche brütet, Naturschützer mit Klagen drohen und gleichzeitig 100 Fliegerbomben auf dem Gelände lagern, wird das Konzert abgesagt. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits alle 85 000 Tickets verkauft worden.

Am 5. März wird dann bekannt, dass sich Düsseldorf beworben hat, das Konzert auf dem ohnehin für 2019 geplanten Gelände „D.LIVE Open Air Park“ auf dem Messeparkplatz zu starten.

Doch schnell weht ein eisiger Gegenwind in Richtung der Veranstalter, als klar wird, dass für den Bau von Sitzplatz-Tribünen rund 100 Bäume gefällt und knapp 60 weitere umgepflanzt werden müssen.

Kurz nach Ostern wird es haarig

Politisch haarig wird es öffentlich ab dem 11. April – dem Tag, als im Morgen-Nebel von Düsseldorf die Umpflanzungen durchgeführt werden.

Stimmen werden laut, es läge noch kein Sicherheitskonzept vor und man habe die Partei-Landschaft der Stadt nur unzureichend informiert. Viele, teils absurde Gerüchte (Vergleiche zur Loveparade, Flugbeeinträchtigungen …) machen die Runde, die Stimmung heizt sich auf.

Fakten schaffen am 28. Mai die Grünen, die bekanntgeben, gegen das Konzert zu stimmen – wenige Tage, bevor der Veranstalter ein umfassendes und von der Feuerwehr genehmigtes Gesamtkonzept vorlegt.

Am 11. Juni dann der Hammer: Die CDU gibt bekannt, ebenfalls gegen das die Freigabe des Geländes zu stimmen. Damit ist die politische Mehrheit weg.

Rund eine Woche später sind nach einigen Zugeständnissen des Veranstalters auf einmal die Grünen wieder ein Hoffnungsträger – doch mit dem erneuten „Nein“ vom 26. Juni ist der Konzert-Krimi vorerst beendet.

Die Pro-und die Contra-Fraktionen

D.LIVE-Chef Michael Brill hat von vornherein keinen Hehl daraus gemacht, dass es beim Konzert von Ed Sheeran um mehr geht, als nur um einen kunterbunten Entertainment-Abend unter freiem Himmel.

Er spricht von einer großen Ausstrahlung für den Event-Standort Düsseldorf, den ein solches Konzert und die logistischen Möglichkeiten mit sich brächten.

Auch OB Thomas Geisel (SPD) ist von Beginn an klarer Verfechter der Fläche: „Wir wollen vor allem eine langfristige Möglichkeit für große Konzerte und Festivals schaffen.“

Die CDU rund um Fraktionsvorsitzenden Rüdiger Gutt wollten vor drei Jahren noch unbedingt mehr Groß-Events in der Stadt haben – in diesem Jahr allerdings auf keinen Fall.

Gutt: „Der enorme Zeitdruck, den der OB und der Veranstalter aufgebaut haben, hat uns zu dieser Entscheidung kommen lassen.“

Andrea Vogelgesang von der Baumschutzgruppe hat andere Argumente. Sie hält die Natur für bedroht und die Stadt für zu klein: „Als ob sich eine dicke Frau noch in ihr Abendkleid quetschen würde.“

Wie geht es jetzt weiter?

Das Sheeran-Aus im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung muss noch lange nicht das Ende des Konzerts sein. Der Veranstalter könnte auf einen Millionen-Betrag klagen.

Und auch politisch kann es noch ein Schlupfloch geben. Rechtsanwalt Robert Hotstegs: „Nach der Gemeindeordnung steht dem Rat tatsächlich das Recht zu, Themen auch an sich zu ziehen. Er kann hiervon Gebrauch machen und auch von der Zuständigkeitsordnung abweichen, wenn dies politisch gewollt ist.“

Heißt im Klartext: Bleibt es beim „Nein“ im APS, wartet schon das nächste Kapitel im Krimi um Ed Sheeran…

Autor/in Robert Hotstegs

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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