{"id":7400,"date":"2019-11-07T12:42:44","date_gmt":"2019-11-07T11:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=7400"},"modified":"2019-11-07T12:42:47","modified_gmt":"2019-11-07T11:42:47","slug":"besetzungsruege-und-befangenheitsantraege-im-kirchlichen-disziplinarverfahren-hier-unbegruendet-disziplinarkammer-bei-dem-kirchengericht-der-ekd-beschluss-v-29-10-2019-az-0134-1-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=7400","title":{"rendered":"Besetzungsr\u00fcge und Befangenheitsantr\u00e4ge im kirchlichen Disziplinarverfahren (hier: unbegr\u00fcndet), Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der EKD, Beschluss v. 29.10.2019, Az. 0134\/1-2018"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bereits zum <a href=\"\/?p=6759\">Beschluss vom 16.11.2018<\/a> angemerkt wurde, hatte die Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der EKD dort in &#8222;\u00dcberbesetzung&#8220; (drei Richter\/innen statt eines Richters\/einer Richterin) entschieden. Damit war aus Sicht des Beklagten \u00fcber die Befangenheit des urspr\u00fcnglichen Vorsitzenden nicht ordnungsgem\u00e4\u00df entschieden und das Gericht im Vorsitz nicht ordnungsgem\u00e4\u00df besetzt. Hiergegen erhob er eine Besetzungsr\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daneben machte er auch die Besorgnis der Befangenheit gegen die weiteren Mitglieder der Disziplinarkammer geltend, weil sich diese mit dem &#8222;\u00fcberbesetzten&#8220; Beschluss Entscheidungsbefugnisse angema\u00dft hatten, die ausdr\u00fccklich dem Wortlaut des kirchlichen Disziplinargesetzes widersprachen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Verlauf des weiteren Verfahrens traten sowohl die stellvertretende Vorsitzende wie auch das weitere rechtskundige Mitglied zur\u00fcck. Nunmehr erging die Entscheidung in der Sache hinsichtlich des weiteren Mitglieds der Disziplinarkammer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ablehnungsgesuch wurde als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei l\u00e4sst der neue Beschluss nun aber weitere (neue) Rechtsfragen offen: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>liegt hier tats\u00e4chlich ein Fall vor, in dem eine Prozesspartei ihren Anspruch auf den kirchengesetzlichen Richter verwirkt haben soll?<\/li><li>ist der Anspruch auf den kirchengesetzlichen Richter von der Frage abh\u00e4ngig, ob die Partei &#8222;beschwert&#8220; im Rechtssinne ist?<\/li><li>ist gegen den vorliegenden Beschluss tats\u00e4chlich &#8211; wie ausgef\u00fchrt &#8211; die sofortige Beschwerde zum Disziplinarsenat bei dem Kirchengerichtshof der EKD zul\u00e4ssig? Soweit ersichtlich liegt hierzu keine kirchengerichtliche Rechtsprechung vor. Es bleibt daher abzuwarten, ob das vorliegende Verfahren zu einer entsprechenden Kl\u00e4rung f\u00fchren wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Beschluss lautet im Volltext:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Das Ablehnungsgesuch und die Besetzungsr\u00fcge des Beklagten gegen die stellvertretende Vorsitzende Richterin Dr. G. wird f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt.<\/strong><\/p><p><strong>Das Ablehnungsgesuch gegen das rechtskundige Mitglied P. wird f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt.<\/strong><\/p><p><strong>Das Ablehnungsgesuch gegen das ordinierte Mitglied K. ist zul\u00e4ssig, jedoch unbegr\u00fcndet.<\/strong><\/p><p><\/p><p><strong>G r \u00fc n d e:<\/strong><\/p><p>I.    Mit der Disziplinarklage vom 23. August 2018 beantragte die Kl\u00e4gerin, den Beklagten gem. \u00a7 16 Abs. 1 DG.EKD unter Enthebung von seinem Amt in den Ruhestand zu versetzen. Die Kl\u00e4gerin legt dem Beklagten zur Last, gegen seine Amtspflichten aus \u00a7 44 Abs. 1 PfDG.EKD i.V.m. \u00a7 24 Abs. 3 und \u00a7 3 Abs. 2 PfDG.EKD versto\u00dfen zu haben.<\/p><p>Der in dieser Sache zust\u00e4ndige Vorsitzende Richter der Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der EKD, Oberstaatsanwalt a. D. W., erkl\u00e4rte mit dienstlicher \u00c4u\u00dferung vom 13. September 2018 seine Selbstablehnung. Die Kl\u00e4gerin bezeichnete das Selbstablehnungsgesuch f\u00fcr nachvollziehbar (Schreiben vom 10. Oktober 2018). Der Beklagte stellte fest, dass keine Bedenken best\u00fcnden (Schreiben vom 9. Oktober 2018). Die Disziplinarkammer erkl\u00e4rte mit Beschluss vom 16. November 2018 das Selbstablehnungsgesuch f\u00fcr begr\u00fcndet. Bei der Beschlussfassung wirkten die 1. stellvertretende Vorsitzende Richterin Dr. G., das rechtskundige Mitglied P. sowie das ordinierte Mitglied K. mit.<\/p><p><\/p><p>Am 20. Mai 2019 lud die stellvertretende Vorsitzende Richterin der Disziplinarkammer, Dr. G. zur m\u00fcndlichen Verhandlung am 16. Oktober 2019. Gem\u00e4\u00df \u00a7 57 Abs. 2 DG.EKD gab sie die Besetzung der Disziplinarkammer bekannt:<\/p><p><\/p><p>\u2022    Stellvertretende Vorsitzende Richterin: Vorsitzende Richterin am Landgericht Dr. G.<br \/> \u2022    Rechtskundige Richterin: Direktorin am Amtsgericht a.D. P.<br \/> \u2022    Ordinierter Richter: Superintendent K..<\/p><p><\/p><p>Mit Schreiben vom 5. Juni 2019 erkl\u00e4rte der Beklagte gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/44.html\" title=\"&sect; 44 ZPO: Ablehnungsgesuch\">\u00a7\u00a7 44<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">42 ZPO<\/a> Besetzungsr\u00fcge und Besorgnis der Befangenheit gegen\u00fcber der stellvertretenden Vorsitzenden Richterin, Dr. G. Er erkl\u00e4rte au\u00dferdem die Besorgnis der Befangenheit gegen\u00fcber dem rechtskundigen Mitglied P. und dem ordinierten Richter K..<\/p><p><\/p><p>Mit Schreiben vom 13. August 2019 legte Frau Dr. G., 1. Stellvertreterin des Vorsitzenden Richters der Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der Evangelischen Kirche in Deutschland, ihr Amt nieder.<\/p><p><\/p><p>Mit Schreiben vom 19. August 2019 forderte die 1. Stellvertreterin des rechtskundigen Mitgliedes der Disziplinarkammer die am Beschluss beteiligten Richter um dienstliche \u00c4u\u00dferung zu den Antr\u00e4gen des Beklagten auf.<\/p><p><\/p><p>Frau Dr. G. verzichtet auf Grund der Amtsniederlegung auf eine Stellungnahme.<\/p><p><\/p><p>Mit dienstlicher \u00c4u\u00dferung vom 4. September 2019 erkl\u00e4rte das rechtskundige Mitglied, Frau P., sich f\u00fcr nicht befangen.<\/p><p><\/p><p>Mit dienstlicher \u00c4u\u00dferung vom 16. September 2019 erkl\u00e4rte sich das ordinierte Mitglied, K., f\u00fcr nicht befangen.<\/p><p><\/p><p>Die Kl\u00e4gerin beantragt mit Schriftsatz vom 5. September 2019 die Zur\u00fcckweisung der Befangenheitsantr\u00e4ge und verweist auf das Schreiben des Rechtsanwalts des Beklagten, in dem dieser die \u00dcbertragung des Verfahrens auf die 1. Stellvertreterin f\u00fcr begr\u00fcndet h\u00e4lt.<\/p><p><\/p><p>Mit Schreiben vom 9. Oktober 2019, Eingang am 11. Oktober 2019, legte Frau P., rechtskundiges Mitglied der Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der Evangelischen Kirche in Deutschland, ihr Amt nieder.<\/p><p><\/p><p>II. Das erste stellvertretende Mitglied des rechtskundigen Mitglieds ist f\u00fcr die Entscheidung zust\u00e4ndig.<\/p><p><\/p><p>Durch den best\u00e4tigenden Beschluss der Selbstablehnung des Vorsitzenden Richters, W., und die Amtsniederlegung der 1. Stellvertreterin des Vorsitzenden, Dr. G., ist das vorsitzende Mitglied in dem laufenden Verfahren verhindert, \u00a7 50 Abs. 2 Satz 2 DG.EKD. Worauf hier unerheblich ist, ob die 1. Stellvertretende Vorsitzende zu Recht an dem Beschluss \u00fcber die Selbstablehnung mitgewirkt hat. Damit wird das (beisitzende) rechtskundige Mitglied in dem laufenden Verfahren Vorsitzende. Dieses wird durch sein stellvertretendes Mitglied nach \u00a7 50 Abs. 2 Satz 1 DG.EKD vertreten, \u00a7 50 Abs. 2 Satz 3 DG.EKD.<\/p><p><\/p><p>Durch die Amtsniederlegung des den Vorsitz innehabenden rechtskundigen Mitgliedes P., wird in Anwendung von \u00a7 50 Abs. 1 bis 3 DG.EKD das stellvertretende rechtskundige Mitglied Vorsitzende in diesem laufenden Verfahren. Diese wird durch ihr stellvertretendes Mitglied nach \u00a7 50 Abs. 2 Satz 1 DG.EKD vertreten, \u00a7 50 Abs. 2 Satz 3 DG.EKD.<\/p><p><\/p><p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/45.html\" title=\"&sect; 45 ZPO: Entscheidung &uuml;ber das Ablehnungsgesuch\">\u00a7 45 Abs. 1 ZPO<\/a> entscheidet \u00fcber die Antr\u00e4ge das Gericht, dem die abgelehnten Richter angeh\u00f6ren.<\/p><p><\/p><p>Die Entscheidung \u00fcber die Ablehnungsgesuche ergeht durch Beschluss gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/46.html\" title=\"&sect; 46 ZPO: Entscheidung und Rechtsmittel\">\u00a7 46 Abs. 1 ZPO<\/a>. Die R\u00fcge zur nicht gesch\u00e4ftsplanm\u00e4\u00dfigen Besetzung ist entsprechend \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">\u00a7\u00a7 42<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/48.html\" title=\"&sect; 48 ZPO: Selbstablehnung; Ablehnung von Amts wegen\">48 ZPO<\/a> zu behandeln und ergeht ebenfalls durch Beschluss.<\/p><p><\/p><p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 54 Abs 1 Satz 2 DG.EKD wirken die beisitzenden Mitglieder an Beschl\u00fcssen au\u00dferhalb der m\u00fcndlichen Verhandlung und an Gerichtsbescheiden nicht mit. Das den Vorsitz innehabende Mitglied entscheidet alleine.<\/p><p><\/p><p>1. Besetzungsr\u00fcge und Ablehnungsgesuch gegen das 1. stellvertretende vorsitzende Mitglied, Dr. G., waren gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">\u00a7 42 Abs. 1 und 3 ZPO<\/a> zul\u00e4ssig, sind jedoch durch Amtsniederlegung erledigt.<\/p><p><\/p><p>2. Das Ablehnungsgesuch gegen das rechtskundige Mitglied P. war gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">\u00a7 42 Abs. 1 und 3 ZPO<\/a> zul\u00e4ssig, hat sich jedoch durch Amtsniederlegung ebenfalls erledigt.<\/p><p><\/p><p>3. Das Ablehnungsgesuch gegen das ordinierte Mitglied K. ist gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">\u00a7 42 Abs. 1 und 3 ZPO<\/a> zul\u00e4ssig, jedoch unbegr\u00fcndet.<\/p><p><\/p><p>Das Ablehnungsgesuch wegen Besorgnis der Befangenheit ist nicht begr\u00fcndet, da kein Grund im Sinne von \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/42.html\" title=\"&sect; 42 ZPO: Ablehnung eines Richters\">\u00a7 42 Abs. 2 ZPO<\/a> vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen die Unparteilichkeit dieses Richters zu rechtfertigen. Dies w\u00e4re dann der Fall, wenn der Beklage bei verst\u00e4ndiger W\u00fcrdigung des Sachverhalts Grund zu der Annahme hat, dass der abgelehnte Richter ihm gegen\u00fcber eine Haltung einnimmt, die seine Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit st\u00f6rend beeinflussen kann.<\/p><p><\/p><p>Ma\u00dfgeblich ist, ob aus der Sicht der ablehnenden Partei bei vern\u00fcnftiger W\u00fcrdigung aller Umst\u00e4nde Anlass gegeben ist, an der Unvoreingenommenheit und objektiven Einstellung des Richters zu zweifeln.<\/p><p><\/p><p>Der Beklagte tr\u00e4gt vor, der ordinierte Richter K. habe an der Beschlussfassung \u00fcber die Selbstablehnung des Vorsitzenden Richters W. vom 16. November 2018 mitgewirkt. Damit habe er eine Beratungs- und Entscheidungskompetenz f\u00fcr sich in Anspruch genommen, die das kirchliche Recht nicht vorsieht. Gerade in einem ehrenamtlich besetzten Gericht sei er, der Beklagte, darauf angewiesen, dass alle Mitglieder der Disziplinarkammer \u00fcber die kirchengesetzlichen Bestimmungen informiert und \u00fcber ihre Entscheidungskompetenzen im Klaren seien. Der ordinierte Richter k\u00f6nne damit in seiner Person nicht mehr sicherstellen, dass die Entscheidung \u00fcber die Disziplinarklage ausschlie\u00dflich auf Grundlage der kirchengesetzlichen Bestimmungen getroffen werde. Somit best\u00fcnde die Besorgnis der Befangenheit.<\/p><p><\/p><p>Unrichtige Entscheidungen oder vermeintlich unrichtige Entscheidungen sind grunds\u00e4tzlich ungeeignet, die Ablehnung wegen Befangenheit zu rechtfertigen, denn sie zwingen nicht zu dem Schluss, dass der Richter, der sich im Rahmen seiner Befugnisse h\u00e4lt und das Recht in vertretbarer Weise anwendet, gegen\u00fcber einer Partei unsachlich, parteilich eingestellt ist. Das Ablehnungsverfahren darf nicht dazu dienen, richterliche Entscheidungen auf ihre Richtigkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Erscheint die Rechtsanwendung des Richters vertretbar, so scheidet Ablehnung aus, falls nicht weitere Umst\u00e4nde auf eine parteiliche Einstellung schlie\u00dfen lassen.<\/p><p><\/p><p>Die Entscheidung \u00fcber das Selbstablehnungsgesuch erging durch Beschluss gem. \u00a7 7 Abs. 1 DG.EKD i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs. 1 VwGO<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/46.html\" title=\"&sect; 46 ZPO: Entscheidung und Rechtsmittel\">\u00a7 46 Abs. 1 ZPO<\/a>. Gem. \u00a7 54 Abs. 1 Satz 2 DG.EKD wirken die beisitzenden Mitglieder an Beschl\u00fcssen au\u00dferhalb der m\u00fcndlichen Verhandlung und an Gerichtsbescheiden nicht mit. Das vorsitzende Mitglied entscheidet alleine. Die Beschlussfassung \u00fcber die Selbstablehnung erfolgte jedoch durch die Kammer, bei der die erste stellvertretende Vorsitzende mitwirkte, die gem. \u00a7 50 Abs. 2 S\u00e4tze 1 bis 3 DG.EKD nicht zust\u00e4ndig gewesen w\u00e4re.<\/p><p><\/p><p>Aus der nicht gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen Besetzung und der &#8222;\u00dcberbesetzung&#8220; ist dem Beklagten jedoch kein Nachteil entstanden, da der Selbstablehnung stattgegeben wurde und dieser Beschluss dem Willen des Beklagten entsprach, denn dieser teilte mit, dass gegen die Selbstablehnung keine Bedenken best\u00fcnden und er die \u00dcbertragung des Verfahrens auf die 1. Stellvertreterin f\u00fcr begr\u00fcndet h\u00e4lt (Schreiben vom 9. Oktober 2018). Insoweit besteht durch den Beschluss keine Beschwer des Beklagten. Es w\u00e4re rechtsmissbr\u00e4uchlich nach Zustimmung zur Selbstablehnung und Einverst\u00e4ndniserkl\u00e4rung mit der Verfahrensbeteiligung der 1. Stellvertreterin des Vorsitzenden, heute aus der unrichtigen gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen Besetzung eine Aufhebung des Beschlusses zu fordern.<\/p><p><\/p><p>Aus der Tatsache der unrichtigen gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen bzw. \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Besetzung bei der Beschlussfassung kann hier keine Besorgnis der Befangenheit hergeleitet werden. Die materiellrechtlich vom Beklagten gewollte Entscheidung wurde auch und gerade unter Mitwirkung des ordinierten Mitglieds gefasst. Damit bringt er zum Ausdruck, dem Antrag des Beklagten nachzukommen. Das ordinierte Mitglied zeigt, dass er das Recht in vertretbarer Weise anwendet und gegen\u00fcber dem Beklagten weder unsachlich noch parteilich eingestellt ist. Die Rechtsanwendung des ordinierten Richters ist nicht nur vertretbar, sondern entspricht dem Willen des Beklagten.<\/p><p><\/p><p>Eine Ablehnung scheidet aus, da keine weiteren Umst\u00e4nde, die auf eine parteiliche Einstellung schlie\u00dfen lassen, vom Beklagten vorgetragen werden. Soweit der Beklagte Zweifel \u00e4u\u00dfert, das ordinierte Mitglied sei \u00fcber die kirchengesetzlichen Bestimmungen nicht informiert und er sei sich \u00fcber die Entscheidungskompetenzen nicht im Klaren, woraus ihm, dem Beklagten, ein Nachteil entst\u00fcnde, fehlt es an einem substanziellen Vortrag. Die vorgetragenen Gr\u00fcnde rechtfertigen gerade nicht eine Unparteilichkeit oder Voreingenommenheit. Es liegen auch keine Hinweise vor, die willk\u00fcrliches Handeln erkennen lie\u00dfen oder grob fehlerhaft w\u00e4ren.<\/p><p><\/p><p>III.    Gegen den Beschluss ist die sofortige Beschwerde zul\u00e4ssig, \u00a7 7 Abs.1 DG.EKD, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/54.html\" title=\"&sect; 54 VwGO [Ausschlie&szlig;ung und Ablehnung von Gerichtspersonen]\">\u00a7 54 Abs.1 VwGO<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/46.html\" title=\"&sect; 46 ZPO: Entscheidung und Rechtsmittel\">\u00a7 46 Abs. 2 ZPO<\/a>.<\/p><p><\/p><p>IV.    Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits zum Beschluss vom 16.11.2018 angemerkt wurde, hatte die Disziplinarkammer bei dem Kirchengericht der EKD dort in &#8222;\u00dcberbesetzung&#8220; (drei Richter\/innen statt eines Richters\/einer Richterin) entschieden. Damit war aus Sicht des Beklagten \u00fcber die Befangenheit des urspr\u00fcnglichen Vorsitzenden nicht ordnungsgem\u00e4\u00df entschieden und das Gericht im Vorsitz nicht ordnungsgem\u00e4\u00df besetzt. Hiergegen erhob er eine Besetzungsr\u00fcge. 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