{"id":6851,"date":"2019-01-17T20:27:57","date_gmt":"2019-01-17T19:27:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=6851"},"modified":"2019-01-17T20:35:01","modified_gmt":"2019-01-17T19:35:01","slug":"wer-im-disziplinarverfahren-troedelt-zahlt-verwaltungsgericht-duesseldorf-beschluss-v-02-01-2019-az-35-k-10552-18-o","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=6851","title":{"rendered":"wer im Disziplinarverfahren tr\u00f6delt, zahlt, Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf, Beschluss v. 02.01.2019, Az. 35 K 10552\/18.O"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Du sollst nicht tr\u00f6deln!&#8220; lautet das Gebot f\u00fcr Beh\u00f6rden, die ein Disziplinarverfahren gegen eine Beamtin \/ einen Beamten f\u00fchren. Um dem Beschleunigungsgrundsatz auch effektiv Rechnung zu tragen, hat der Gesetzgeber ein besonderes Fristsetzungsverfahren eingef\u00fchrt. (<a href=\"\/?p=4466\">\u00dcbersicht und Hintergrund hier<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>In einem hier vertretenen Verfahren hat das Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf zun\u00e4chst mit Beschluss vom 23.11.2018 der ermittelnden Hochschule eine Frist bis zum 31.12.2018 gesetzt, um das Verfahren mit einer Abschlussentscheidung (Disziplinarklage, Disziplinarverf\u00fcgung oder Einstellungsverf\u00fcgung) zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin hat die Beh\u00f6rde einen Fristverl\u00e4ngerungsantrag gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser verdient Lob &amp; Kritik gleicherma\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Er ist zu kritisieren, weil das Gericht zu erkennen gibt, dass es wohl bei der ersten Beschlussfassung am 23.11.2018 die im Landesdisziplinargesetz angelegten Fristen zur abschlie\u00dfenden Anh\u00f6rung nicht hinreichend ber\u00fccksichtigt und &#8222;einberechnet&#8220; hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hat die Disziplinarkammer honoriert, dass die Beh\u00f6rde f\u00fcr die Dauer des urspr\u00fcnglichen Fristsetzungsverfahrens das Disziplinarverfahrend faktisch nicht weiterbetrieben hat, also weder \u00fcber einen Befangenheitsantrag entschieden, noch die Beweismittel ausgewertet hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Er ist aber eben auch zu loben, weil die Kostenentscheidung in diesem Verfahren sui generis zu Lasten der Antragstellerin ausgefallen ist. Die Hochschule hat die Kosten des Fristverl\u00e4ngerungsverfahrens zu tragen, obwohl sie ja auf den ersten Blick mit ihrem Antrag obsiegte. Tats\u00e4chlich ist sie aber weiterhin materiell unterlegen: das Gericht setzt ihr weiterhin eine Frist zum Abschluss des Verfahrens, weil dieser \u00fcberf\u00e4llig ist. Hierdurch hat die Beh\u00f6rde selbst den Grund f\u00fcr das Fristsetzungs-, aber eben auch (noch) f\u00fcr das Fristverl\u00e4ngerungsverfahren gesetzt. Das schl\u00e4gt sich in der Kostenentscheidung nieder.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung lautet im Volltext:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><strong>Die der Antragstellerin zur Entscheidung \u00fcber die Vorlage der Disziplinarklageschrift, den Erlass einer Disziplinarverf\u00fcgung oder die Einstellung des Verfahrens <a href=\"\/?p=6765\">mit Beschluss vom 23. November 2018 gesetzte Frist<\/a> wird auf den 31. Januar 2019 verl\u00e4ngert.<\/strong><\/p><p><strong>Die Antragstellerin tr\u00e4gt die Kosten des Verfahrens.<\/strong><\/p><p><strong>Gr\u00fcnde:<\/strong><\/p><p>Der am 21. Dezember 2018 sinngem\u00e4\u00df gestellte Antrag,<\/p><p><strong>die durch <a href=\"\/?p=6765\">Beschluss vom 23. November 2018<\/a> festgelegte Frist zur Vorlage der Disziplinarklageschrift, den Erlass einer Disziplinarverf\u00fcgung oder der Einstellung des Verfahrens auf den 31. Januar 2019 zu verl\u00e4ngern,<\/strong><\/p><p>hat Erfolg. Der Antrag ist zul\u00e4ssig und begr\u00fcndet.<\/p><p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 62 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. \u00a7 53 Abs. 2 Satz 3 LDG NRW kann die nach \u00a7 62 Abs. 2 Satz 1 LDG NRW gesetzte Frist auf einen vor ihrem Ablauf gestellten Antrag verl\u00e4ngert werden, wenn sie aus nicht zu vertretenden Gr\u00fcnden voraussichtlich nicht eingehalten werden kann.<\/p><p>Diese Voraussetzungen liegen vor. Die Antragstellerin hat zeitnah nach Zustellung des <a href=\"\/?p=6765\">Beschlusses vom 23. November 2018<\/a> am 3. Dezember 2018 sowohl den unter dem 31. M\u00e4rz 2018 vom Antragsgegner gestellten Befangenheitsantrag gegen die Ermittlungsf\u00fchrerin abgelehnt als auch am 10. Dezember 2018 das Ermittlungsergebnis verfasst, das dem Antragsgegner am 11. Dezember 2018 zugestellt wurde. Sie hat damit alles ihr M\u00f6gliche getan, um den rechtzeitigen Abschluss des beh\u00f6rdlichen Disziplinarverfahrens erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p><p>Gem\u00e4\u00df \u00a7 31 Satz 1 LDG NRW ist nunmehr aber die abschlie\u00dfende Anh\u00f6rung des Antragsgegners vorzunehmen. Die hierf\u00fcr einzuhaltenden Fristen berechnen sich nach \u00a7 20 Abs. 2 LDG NRW. Hiernach wird f\u00fcr die Abgabe einer schriftlichen \u00c4u\u00dferung dem Beamten eine Ausschlussfrist von einem Monat und f\u00fcr die Abgabe der Erkl\u00e4rung, sich m\u00fcndlich \u00e4u\u00dfern zu wollen, eine Ausschlussfrist von zwei Wochen gesetzt. Diese gesetzlich vorgeschriebenen Fristen sind zwingend einzuhalten und k\u00f6nnen nicht verk\u00fcrzt werden. Da die dem Antragsgegner gesetzlich einger\u00e4umte Frist zur schriftlichen \u00c4u\u00dferung erst am 11. Januar 2019 abl\u00e4uft, kann die der Antragstellerin mit Beschluss vom 23. November 2018 gesetzte Frist bis zum 31. Dezember 2018 aus von ihr nicht zu vertretenden Gr\u00fcnden voraussichtlich nicht eingehalten werden.<\/p><p>Nach alledem erscheint der Disziplinarkammer die beantragte Fristverl\u00e4ngerung um einen Monat als angemessen, um das Verfahren zum Abschluss zu bringen.<\/p><p>F\u00fcr den Fall des Eintritts unvorhergesehener und von der Antragstellerin nicht zu vertretender Verz\u00f6gerungen wird auf die M\u00f6glichkeit der (weiteren) Fristverl\u00e4ngerung nach \u00a7 62 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. \u00a7 53 Abs. 2 Satz 3 LDG NRW hingewiesen.<\/p><p>Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7 74 Abs. 3 und Abs. 1 LDG NRW i.V.m. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/154.html\" title=\"&sect; 154 VwGO [Kostentragung]\">\u00a7 154 Abs. 1 VwGO<\/a>.<\/p><p>Dieser Beschluss ist unanfechtbar (\u00a7 62 Abs. 2 Satz 3 i.V.m. \u00a7 53 Abs. 2 Satz 5 LDG NRW).<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Du sollst nicht tr\u00f6deln!&#8220; lautet das Gebot f\u00fcr Beh\u00f6rden, die ein Disziplinarverfahren gegen eine Beamtin \/ einen Beamten f\u00fchren. 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