{"id":2362,"date":"2013-12-02T12:53:42","date_gmt":"2013-12-02T11:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=2362"},"modified":"2015-02-20T21:31:21","modified_gmt":"2015-02-20T20:31:21","slug":"das-kriterium-fuehrungsfoerderungseignung-ffe-in-der-finanzverwaltung-nrw-fliesst-rechtswidrig-in-beurteilungen-ein-verwaltungsgericht-koeln-urteil-v-04-11-2013-az-19-k-256313","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=2362","title":{"rendered":"das Kriterium F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung (FFE) in der Finanzverwaltung NRW flie\u00dft rechtswidrig in Beurteilungen ein, Verwaltungsgericht K\u00f6ln, Urteil v. 04.11.2013, Az. 19 K 2563\/13"},"content":{"rendered":"<p>In einer ausf\u00fchrlichen Entscheidung hat das Verwaltungsgericht K\u00f6ln eine dienstliche Beurteilung der Finanzverwaltung NRW aufgehoben. Hauptkritikpunkt ist der Ansatz, dass das Kriterium der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung (FFE) in rechtswidriger Form Eingang in Beurteilungen findet. Nach den Feststellungen des Gerichts wird das Kriterium n\u00e4mlich nicht vom Vorsteher eines Finanzamtes als Beurteiler vergeben, sondern durch den Pr\u00e4sidenten der Oberfinanzdirektion. Daher teilt der Beurteiler das Kriterium quasi nur noch &#8222;nachrichtlich&#8220; mit. Dies ergibt sich aber nicht aus der Beurteilung selbst. Damit ist das Kriterium nicht plausibel und beruht nicht auf Erkenntnissen des Beurteilers. Hiervon d\u00fcrfte eine Vielzahl von Beurteilungen betroffen sein. Diese sind ggf. mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht anzufechten und durch die Gerichte entsprechend aufzuheben. Sodann ist die Finanzverwaltung verpflichtet, eine neue rechtm\u00e4\u00dfige Beurteilung zu erstellen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Entscheidung im Volltext:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Das beklagte Land wird verurteilt, die f\u00fcr den Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2012 erstellte dienstliche Beurteilung vom 07.03.2013 aufzuheben und den Kl\u00e4ger f\u00fcr den vorgenannten Zeitraum erneut unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts dienstlich zu beurteilen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tatbestand<\/strong><\/p>\n<p>Der im Jahre geborene Kl\u00e4ger steht seit 1984 im Dienste des beklagten Landes in der Finanzverwaltung. Er wurde zuletzt im Oktober 2005 zum \u201eSteueramtsrat&#8220; ernannt und ist bei dem Finanzamt &#8211; dort seit Dezember 2007 als Leiter der Gesch\u00e4ftsstelle &#8211; eingesetzt.<\/p>\n<p>Im statusrechtlichen Amt eines Steueramtsrats wurde der Kl\u00e4ger u.a. unter dem 12.04.2010 (Beurteilungszeitraum 01 .01.2007 bis 31 .12.2009) dienstlich beurteilt; diese Beurteilung lautet auf das Gesamturteil \u201egut&#8220;; eine Bef\u00f6rderungseignung wurde nicht ausgesprochen. Dar\u00fcber hinaus wurde dem Kl\u00e4ger eine \u201eF\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung&#8220; zuerkannt und hierzu ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2012 wurde der Kl\u00e4ger unter dem 07.03.2013 (Schlusszeichnung durch den Pr\u00e4sidenten bzw. Vertreter) dienstlich beurteilt. Diese Beurteilung lautet im Gesamturteil auf \u201evollbefriedigend&#8220;; eine Bef\u00f6rderungseignung wurde nicht vergeben. Zum Merkmal \u201eF\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung&#8220; enth\u00e4lt diese dienstliche Beurteilung keine Ausf\u00fchrungen.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger hat am 18.04.2013 gegen die ihm erteilte dienstliche Beurteilung f\u00fcr den Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2012 Klage erhoben.<\/p>\n<p>Er wendet sich insbesondere dagegen, dass ihm eine \u201eF\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung&#8220; in dieser Beurteilung &#8211; anders als in der vorhergehenden Beurteilung &#8211; nicht zuerkannt worden sei. Die dienstliche Beurteilung enthalte keine Ausf\u00fchrungen dazu, aus welchen Gr\u00fcnden ihm dieses Merkmal versagt worden sei.<\/p>\n<p>Bereits das Verfahren zur Vergabe dieses Merkmals sei nicht nachvollziehbar. Im Rahmen von \u201eQuervergleichsgespr\u00e4chen&#8220; werde unter Beteiligung des Personalreferats, der Gleichstellungsbeauftragten und einzelner Vorsteher von Finanz\u00e4mtern nach Kurzvortrag mit Diskussion, Gruppendiskussion und Einzelinterview dar\u00fcber entschieden, ob die F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung zuerkannt werde. Dies sei ein deutlicher Widerspruch zu den Beurteilungsgrunds\u00e4tzen, wonach eine dienstliche Beurteilung immer einen Beurteilungszeitraum in den Blick zu nehmen habe und nicht nur auf eine Momentaufnahme &#8211; wie hier in den Quervergleichsgespr\u00e4chen &#8211; abstellen d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werde mit der Entscheidung \u00fcber die F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung im Rahmen sog. Quervergleichsgespr\u00e4che bereits eine Bef\u00f6rderungsentscheidung vorverlagert, weil ohne die Vergabe der F\u00fchrungsforderungseignung eine Bef\u00f6rderung nicht erfolgen k\u00f6nne. Dies werde daraus deutlich, dass die Zahl der Sachgebietsleiterstellen, f\u00fcr deren Besetzung zun\u00e4chst die F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung erforderlich sei, kontingentiert sei und somit eine \u201eSynchronisierung&#8220; der Vergabe des Merkmals der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung und der Bef\u00f6rderungsstellen als Sachgebietsleiter stattfinde.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger beantragt,<\/p>\n<p>das beklagte Land zu verurteilen, die f\u00fcr den Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2012 erstellte dienstliche Beurteilung vom 07.03.2013 aufzuheben und ihn f\u00fcr den vorgenannten Zeitraum erneut unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts dienstlich zu beurteilen.<\/p>\n<p>Das beklagte Land beantragt, die Klage abzuweisen.<\/p>\n<p>Es verteidigt die angegriffene dienstliche Beurteilung des Kl\u00e4gers und die Nicht-Vergabe des Merkmals der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung.<\/p>\n<p>Es erl\u00e4utert zun\u00e4chst das Verfahren, mit dem das Merkmal der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung festgestellt werde (Vorschlag innerhalb des Finanzamts; Einladung zu einem sog. Quervergleichsgespr\u00e4ch auf OFD-Ebene; Durchf\u00fchrung des Gespr\u00e4chs; Ergebnisabgleich innerhalb einer Regionalkreis- und Gremienbesprechung).<\/p>\n<p>Zum Inhalt des Merkmals der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung erl\u00e4utert das beklagte Land, das zu den Quervergleichsgespr\u00e4chen Beamte nur auf \u201eVorschlag&#8220; entsandt w\u00fcrden, wobei diesem Vorschlag seitens der Vorsteher der Finanz\u00e4mter der Gedanke der Bestenauslese zugrundeliege. Das Quervergleichsgespr\u00e4ch diene der Objektivierung und der Intensivierung des notwendigen Quervergleichs; abschlie\u00dfend werde erst in den Gremienbesprechungen hier\u00fcber entschieden.<\/p>\n<p>Es widerspricht der Ansicht des Kl\u00e4gers, dass mit der Vergabe der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung eine Bef\u00f6rderung verbunden sei; die Eignung zur Bef\u00f6rderung und die F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignungen seien nicht miteinander verbunden.<\/p>\n<p>In der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 04.11.2013 haben die Vertreter des beklagten Landes das Vergabeverfahren zur Feststellung einer F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung im Einzelnen erl\u00e4utert und dokumentiert.<\/p>\n<p>Wegen des Sach- und Streitstandes im \u00dcbrigen wird auf die Gerichtsakte sowie die beigezogenen Verwaltungsvornge der OFD erg\u00e4nzend Bezug genommen.<\/p>\n<p><strong>Entscheidungsgr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p>Die Klage, \u00fcber die der Berichterstatter als Einzelrichter (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/VwGO\/6.html\" title=\"&sect; 6 VwGO [Einzelrichter]\">\u00a7 6 Abs. 1 VwGO<\/a>) entscheiden kann, ist zul\u00e4ssig und begr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Die angegriffene dienstliche Beurteilung der Oberfinanzdirektion X vom 07.03.2013 ist rechtswidrig; der Kl\u00e4ger hat einen Anspruch darauf, dass er f\u00fcr den Zeitraum 01.01.2010 bis 31.12.2012 erneut unter Beachtung der Rechtsauffassung des Gerichts dienstlich beurteilt wird.<\/p>\n<p>Rechtsgrundlage der dienstlichen Beurteilung ist \u00a7 93 Abs. 1 des Landesbeamtengesetzes Nordrhein-Westfalen (LBG NRW) [vom 01 .04.2009 &#8211; GV.NRW. S. 224; zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 01 10.2013 &#8211; GV.NRW. S. 566 -]. Danach dienen Beurteilungen dem Zweck, Eignung, Bef\u00e4higung und fachliche Leistung der Beamten festzustellen. Diese sollen unter anderem unabh\u00e4ngig von konkreten Anl\u00e4ssen in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden in so genannten Regelbeurteilungen dienstlich beurteilt werden. Nach dem Sinn der gesetzlichen Regelung sollen allein der Dienstherr oder der f\u00fcr ihn handelnde Vorgesetzte ein pers\u00f6nlichkeitsbedingtes Werturteil dar\u00fcber abgeben, ob der Beamte den &#8211; ebenfalls von dem Dienstherrn zu bestimmenden &#8211; vielf\u00e4ltigen fachlichen und pers\u00f6nlichen Anforderungen des ihm \u00fcbertragenen Amtes und seiner Laufbahn entspricht. Bei einem derartigen, dem Dienstherrn vorbehaltenen Akt wertender Erkenntnis steht diesem ein Beurteilungsspielraum zu. Die verwaltungsgerichtliche \u00dcberpr\u00fcfung der erstellten Beurteilung ist daher eingeschr\u00e4nkt. Die gerichtliche Rechtm\u00e4\u00dfigkeitskontrolle hat sich darauf zu beschr\u00e4nken, ob der Dienstvorgesetzte den anzuwendenden Begriff oder den gesetzlichen Rahmen, in dem er sich frei bewegen kann, verkannt hat, ob er von einem unrichtigen Sachverhalt ausgegangen ist, allgemein g\u00fcltige Wertma\u00dfst\u00e4be nicht beachtet, sachfremde Erw\u00e4gungen angestellt oder gegen Verfahrensvorschriften versto\u00dfen hat;<\/p>\n<p>st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BVerwG, Urteil vom 27.101988 &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20A%202.87\" title=\"2 A 2.87 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">2 A 2.87<\/a> -\u201a Buchholz 232.1 \u00a7 40 BLV Nr. 12; OVG NRW, Urteil vom 23.6.2006-<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20A%201216\/04\" title=\"OVG Nordrhein-Westfalen, 23.06.2006 - 6 A 1216\/04\">6 A 1216\/04<\/a> -\u201a www.nrwe.de; Beschl\u00fcsse vom 27.12.2007 -<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20A%201603\/05\" title=\"OVG Nordrhein-Westfalen, 27.12.2007 - 6 A 1603\/05: Begr&uuml;ndung der dienstlichen Beurteilung des ...\">6 A 1603\/05<\/a> -\u201a vom 13.12.1999 &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20A%203599\/98\" title=\"OVG Nordrhein-Westfalen, 13.12.1999 - 6 A 3599\/98\">6 A 3599\/98<\/a> -\u201a D\u00d6D 2000, 161 und &#8211; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20A%203593\/98\" title=\"OVG Nordrhein-Westfalen, 13.12.1999 - 6 A 3593\/98: Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer dienstlichen Beurteilun...\">6 A 3593\/98<\/a> -\u201a D\u00d6D 2000, 266.<\/p>\n<p>Gemessen an diesen Ma\u00dfst\u00e4ben ist die \u00fcber den Kl\u00e4ger erstellte dienstliche Beurteilung der OFD vom 07.03.2013 rechtlich fehlerhaft.<\/p>\n<p>Es bedarf keiner Er\u00f6rterung, ob die Leistungsbewertung, die mit dem Gesamturteil &#8222;vollbefriedigend&#8220; abschlie\u00dft sowie die fehlende Vergabe einer Bef\u00f6rderungseignung rechtlich zutreffend sind; die Fehlerhaftigkeit der f\u00fcr den Kl\u00e4ger erstellten dienstlichen Beurteilung folgt daraus, dass es f\u00fcr die Zuerkennung bzw. fehlende Zuerkennung des Merkmals der &#8222;F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung&#8220; (FFE) an hinreichenden tats\u00e4chlichen Erkenntnism\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Beurteiler fehlt und die Beurteilung daher insgesamt nicht plausibel ist.<\/p>\n<p>Nach Sinn und Zweck einer dienstlichen Beurteilung, n\u00e4mlich ein aussagekr\u00e4ftiges, objektives und vergleichbares Bild der Leistung und Bef\u00e4higung eines Beamten zu gewinnen, um als Grundlage f\u00fcr k\u00fcnftige an Eignung, Bef\u00e4higung und fachlicher Leistung orientierte (vgl. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/33.html\" title=\"Art. 33 GG\">Art. 33 Abs. 2 GG<\/a>) Personalentscheidungen dienen zu k\u00f6nnen, muss der jeweils zust\u00e4ndige Beurteiler in der Lage sein, das ihm anvertraute h\u00f6chstpers\u00f6nliche Werturteil \u00fcber Eignung, Bef\u00e4higung und fachliche Leistung des Beamten selbst\u00e4ndig abzugeben.<\/p>\n<p><strong>Hieran fehlt es, soweit es das Merkmal FFE betrifft. Im Einzelnen:<\/strong><\/p>\n<p>Nach Ziff. 4.1 der &#8222;Richtlinien f\u00fcr die Beurteilung und Bef\u00f6rderung der Beamtinnen und Beamten der Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen&#8220; (BuBR 2011) des Finanzministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen obliegt die Beurteilung der Beamten der Finanz\u00e4mter &#8211; wie hier f\u00fcr den Kl\u00e4ger &#8211; der jeweiligen Dienststellenleitung &#8211; hier dem Vorsteher des Finanzamts -. Der OFD kommt eine \u00dcberwachung des Ma\u00dfstabs zu; dar\u00fcber hinaus ist es Aufgabe des Pr\u00e4sidenten der OFD oder des von ihm Beauftragten, bei Beurteilungen u.a. von Beamten im Statusamt A 12 &#8211; wie der Kl\u00e4ger &#8211; die Beurteilung abschlie\u00dfend zu zeichnen (Ziff. 4.1.1 BuBR 2011). Insoweit haben die Vertreter des beklagten Landes in der m\u00fcndlichen Verhandlung darauf hingewiesen, dass diese abschlie\u00dfende Zeichnung durch den Pr\u00e4sidenten der OFD ein Pr\u00fcfungsrecht in Bezug auf den anzuwendenden Ma\u00dfstab und die einzuhaltenden Richts\u00e4tze (vgl. Ziff. 4 des Erlasses der OFD vom 26.08.2012) beinhalte.<\/p>\n<p>Davon ausgehend obliegt es im Wesentlichen der Dienststellenleitung (hier: Vorsteher des Finanzamts) eine dienstliche Beurteilung mit Blick auf die Leistung und Bef\u00e4higung des Beamten, seine Bef\u00f6rderungseignung sowie das Merkmal der FFE zu erstellen; daneben obliegt es dem Pr\u00e4sidenten der OFD oder dem von ihm Beauftragten, auf die Einhaltung des bezirksweit anzuwendenden Beurteilungsma\u00dfstabs bzw. die Richts\u00e4tze zu achten.<\/p>\n<p>Soweit es um die Kompetenz des Dienststellenleiters &#8211; des Vorstehers des Finanzamts &#8211; geht, muss dieser \u00fcber aussagekr\u00e4ftige Erkenntnisse aus eigener oder ihm nachvollziehbar vermittelter Anschauung verf\u00fcgen, die er sodann selbst f\u00fcr den gesamten Beurteilungszeitraum (hier: 01.01.2010 bis 31.12.2012) zu w\u00fcrdigen hat.<\/p>\n<p><strong>Dies trifft f\u00fcr die Bewertung des Merkmals FFE erkennbar nicht zu.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach den verfahrensrechtlichen Vorgaben im o.g. Erlass vom 26.08.2012 (Ziff. 8) sowie den m\u00fcndlichen und durch schriftliche Unterlagen erg\u00e4nzten Erl\u00e4uterungen der Vertreter des beklagten Landes in der m\u00fcndlichen Verhandlung wird \u00fcber die Vergabe der FFE in einem gesonderten Verfahren entschieden, in das der Vorsteher des Finanzamts als Beurteiler keine eigenen Erkenntnisse einbringt; seine Mitwirkung beschr\u00e4nkt sich auf einen Vorschlag an die OFD, ob und ggf. wer von den Beamtinnen und Beamten seines Finanzamts im statusrechtlichen Amt A 12 f\u00fcr eine Vergabe der FFE in Betracht kommen kann (Ziff. 8.3 des o.g. Erlasses vom 26.08.2012). Das weitere Verfahren &#8211; Durchf\u00fchrung der sog. Quervergleichsgespr\u00e4che, Bewertung der anl\u00e4sslich dieser Gespr\u00e4che erbrachten Leistungen &#8211; ist seiner Mitwirkung und eigenen Bewertung entzogen.<\/strong> Ihm wird das Ergebnis mitgeteilt; dieses Ergebnis wird in die weiteren Gremienbesprechungen &#8211; hier in die abschlie\u00dfende Gremienbesprechung im Januar 2013 &#8211; eingebracht, ohne dass weitere Erkenntnisse, die dann ggf. eine eigenst\u00e4ndige Bewertung durch den Vorsteher des Finanzamts als Beurteiler oder im Rahmen einer Ma\u00dfstabsbetrachtung erm\u00f6glichen w\u00fcrden, vorliegen.<\/p>\n<p><strong>Wenn sodann der Umstand einer Zuerkennung (mit Begr\u00fcndung) oder fehlenden Zuerkennung (ohne Begr\u00fcndung) der FFE in die abschlie\u00dfende, von dem Vorsteher des Finanzamts als Beurteiler zu verantwortende dienstliche Beurteilung aufgenommen wird, ist dies mithin eine Bewertung, die nicht auf seinen eigenen Erkenntnissen beruht und die insbesondere nichts mit den im Beurteilungszeitraum vom Kl\u00e4ger erbrachten Leistungen, die zu w\u00fcrdigen sind, zu tun hat<\/strong>. Dass in der abschlie\u00dfenden Gremienbesprechung die Vergabe bzw. Nicht-Vergabe der FEE endg\u00fcltig beschlossen wird, steht der Annahme der fehlenden eigenen Einsch\u00e4tzung des Vorstehers des Finanzamts als Beurteiler nicht entgegen. Die insoweit f\u00fcr den Kl\u00e4ger erstellte dienstliche Beurteilung ist dann allerdings insgesamt fehlerhaft ist und unterliegt der Aufhebung.<\/p>\n<p><strong>Dass es sich bei der Zuerkennung oder fehlenden Zuerkennung der FFE in der dienstlichen Beurteilung nur um eine &#8222;nachrichtliche&#8220; Mitteilung an den zu Beurteilenden &#8211; hier den Kl\u00e4ger handeln soll &#8211; erschlie\u00dft sich nicht. Dies ergibt sich weder aus der Beurteilung selbst, die unter Ziff. VIII (Personalentwicklung) ausdr\u00fccklich Raum f\u00fcr Ausf\u00fchrungen zur FFE enth\u00e4lt und die insgesamt vom Beurteiler zu unterschreiben ist, noch aus Ziff. 9 BuBR 2011, nach der bei jeder Beurteilung f\u00fcr Beamte in der Besoldungsgruppe A 12 \u00fcber die Vergabe der FFE &#8222;zu entscheiden&#8220; ist.<\/strong><\/p>\n<p>Soweit die Vertreter des beklagten Landes in der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 04.11.2013 u.a. einen Vermerk des Leiters des Personalreferats der OFD vom 29.08.2012 \u00fcber den Verlauf und das Ergebnis des mit dem Kl\u00e4ger am 28.08.2012 gef\u00fchrten &#8222;Quervergleichsgespr\u00e4chs&#8220; vorlegen, kann der sich daraus ergebende Versuch einer Plausibilisierung der fehlenden Zuerkennung der FEE jedenfalls keine Relevanz f\u00fcr den Vorsteher des Finanzamts als Beurteiler haben; diese Erkenntnisse beruhen nicht auf seiner eigenen Einsch\u00e4tzung und es ist auch nicht erkennbar, dass diese &#8211; \u00e4hnlich wie ein &#8222;Beurteilungsbeitrag&#8220; &#8211; seine Entscheidung zur fehlenden Vergabe der FFE mitbestimmen.<\/p>\n<p><strong>Auch wenn es um die Kompetenz des Pr\u00e4sidenten der OFD oder des von ihm Beauftragten zur &#8222;abschlie\u00dfenden Zeichnung&#8220; geht, ist nicht erkennbar, dass und inwieweit eine solche m\u00f6gliche Plausibilisierung der fehlenden Zuerkennung der FFE Inhalt des vom Pr\u00e4sidenten der OFD zu beachtenden bezirksweiten Ma\u00dfstabs sein soll. Unabh\u00e4ngig davon fehlt es an jedem Bezug zu Leistungen des Kl\u00e4gers im ma\u00dfgebenden Beurteilungszeitraum, weil das Quervergleichsgespr\u00e4ch nur &#8211; wie eine Momentaufnahme &#8211; Erkenntnisse aus diesem Gespr\u00e4ch, nicht aber, wie es bei einer dienstlichen Beurteilung geboten ist, \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum erbrachte Leistungen abbildet.<\/strong><\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer ausf\u00fchrlichen Entscheidung hat das Verwaltungsgericht K\u00f6ln eine dienstliche Beurteilung der Finanzverwaltung NRW aufgehoben. Hauptkritikpunkt ist der Ansatz, dass das Kriterium der F\u00fchrungsf\u00f6rderungseignung (FFE) in rechtswidriger Form Eingang in Beurteilungen findet. 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