{"id":1596,"date":"2012-12-02T20:58:42","date_gmt":"2012-12-02T19:58:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.obst-hotstegs.de\/?p=1596"},"modified":"2012-12-02T20:58:42","modified_gmt":"2012-12-02T19:58:42","slug":"nicht-jeder-fehler-im-bewerbungsverfahren-begrundet-einen-schadensersatzanspruch-bundesverwaltungsgericht-pressemitteilung-v-29-11-2012-az-2-c-6-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=1596","title":{"rendered":"Nicht jeder Fehler im Bewerbungsverfahren begr\u00fcndet einen Schadensersatzanspruch, Bundesverwaltungsgericht, Pressemitteilung v. 29.11.2012, Az. 2 C 6.11"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass nicht jeder Fehler im Auswahlverfahren zu einem Schadensersatzanspruch des nicht ber\u00fccksichtigten Bewerbers f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Streitfall hatten sich der Kl\u00e4ger und drei Mitbewerber auf die Stelle eines Vorsitzenden Richters am Oberlandesgericht (OLG) beworben. Der Dienstherr setzte das Verfahren zun\u00e4chst aus, um einem der Bewerber die Abordnung an das OLG zu erm\u00f6glichen. Im Anschluss an diese Abordnung zogen sowohl dieser Mitbewerber als auch die beiden anderen Mitbewerber ihre Bewerbungen zur\u00fcck und es bewarb sich ein weiterer Mitbewerber. Der Dienstherr traf sodann eine Auswahlentscheidung zugunsten des neuen Mitbewerbers, der mit der H\u00f6chstnote beurteilt worden war. Der Kl\u00e4ger, der mit der zweith\u00f6chsten Note beurteilt worden war, wandte sich hiergegen im Eilverfahren; das Oberverwaltungsgericht (OVG) untersagte die Besetzung der Stelle mit dem ausgew\u00e4hlten Konkurrenten, weil Zweifel an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Beurteilung des Kl\u00e4gers best\u00fcnden. Daraufhin brach der Dienstherr das Auswahlverfahren ab. Ein vom Kl\u00e4ger gegen diesen Abbruch eingeleitetes Eilverfahren wurde eingestellt, nachdem der Kl\u00e4ger mittlerweile auf eine andere Stellenausschreibung hin zum Vorsitzenden Richter am OLG bef\u00f6rdert worden war. Der Kl\u00e4ger begehrt Schadensersatz wegen versp\u00e4teter Bef\u00f6rderung. Nach seiner Ansicht h\u00e4tte das Verfahren nicht ausgesetzt werden d\u00fcrfen, sondern der Dienstherr h\u00e4tte bereits zum damaligen Zeitpunkt eine Auswahlentscheidung treffen m\u00fcssen, die zu seinen Gunsten ausgegangen w\u00e4re. Das OVG hat die Klage abgewiesen, weil das Verfahren rechtm\u00e4\u00dfig abgebrochen worden sei.<\/p>\n<p>Das Bundesverwaltungsgericht hat die Revision des Kl\u00e4gers zur\u00fcckgewiesen.<!--more--> Beamte und Richter haben dann Anspruch auf Schadensersatz, wenn der Dienstherr eine ihnen gegen\u00fcber bestehende Pflicht rechtswidrig und schuldhaft verletzt und diese Rechtsverletzung kausal f\u00fcr den Schaden geworden ist; zudem d\u00fcrfen sie es nicht vers\u00e4umt haben, den Eintritt des Schadens durch zumutbare Rechtsbehelfe abzuwenden. Rechtsfehler im Verlauf eines Auswahlverfahrens k\u00f6nnen dann einen Schadensersatzanspruch begr\u00fcnden, wenn sie sich auf die abschlie\u00dfende Auswahlentscheidung ausgewirkt haben, ihr also &#8222;anhaften&#8220;. Hiervon ausgehend stellte im Streitfall die Aussetzung des Verfahrens zur Abordnung des Mitbewerbers an das OLG zwar eine Verletzung des Bewerbungsverfahrensanspruchs der \u00fcbrigen Mitbewerber dar. Dieser Rechtsversto\u00df hat sich aber nicht mehr auf die anschlie\u00dfende Auswahlentscheidung des Dienstherrn ausgewirkt, weil der bevorteilte Bewerber vorher aus dem Bewerbungsverfahren ausgeschieden war. Der Schadensersatzanspruch ist auch deshalb ausgeschlossen, weil der Dienstherr nach den Feststellungen des OVG das Auswahlverfahren abgebrochen h\u00e4tte, wenn er die Rechtswidrigkeit der Aussetzung erkannt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Der sp\u00e4tere tats\u00e4chliche Abbruch des Auswahlverfahrens war formell und materiell rechtm\u00e4\u00dfig, da er den Bewerbern gegen\u00fcber bekannt gemacht worden war und ein sachlicher Grund f\u00fcr den Abbruch vorlag. Der sachliche Grund war hier die abschlie\u00dfende gerichtliche Entscheidung im einstweiligen Rechtsschutzverfahren, mit der dem Dienstherrn vorl\u00e4ufig untersagt worden war, die Stelle mit dem von ihm ausgew\u00e4hlten Bewerber zu besetzen.<\/p>\n<p>BVerwG <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20C%206.11\" title=\"2 C 6.11 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">2 C 6.11<\/a> &#8211; Urteil vom 29. November 2012<\/p>\n<p>Vorinstanzen:<br \/>\nOVG Greifswald, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20L%20209\/06\" title=\"OVG Mecklenburg-Vorpommern, 28.10.2009 - 2 L 209\/06: Schadensersatz wegen versp&auml;teter Bef&ouml;rderu...\">2 L 209\/06<\/a> &#8211; Urteil vom 28. Oktober 2009 &#8211;<br \/>\nVG Greifswald, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20A%201096\/03\" title=\"VG Greifswald, 04.05.2006 - 6 A 1096\/03\">6 A 1096\/03<\/a> &#8211; Urteil vom 4. Mai 2006 &#8211;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute entschieden, dass nicht jeder Fehler im Auswahlverfahren zu einem Schadensersatzanspruch des nicht ber\u00fccksichtigten Bewerbers f\u00fchrt. Im Streitfall hatten sich der Kl\u00e4ger und drei Mitbewerber auf die Stelle eines Vorsitzenden Richters am Oberlandesgericht (OLG) beworben. 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