{"id":10063,"date":"2025-04-10T23:28:25","date_gmt":"2025-04-10T21:28:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=10063"},"modified":"2025-06-30T15:02:18","modified_gmt":"2025-06-30T13:02:18","slug":"eingeschraenkte-gerichtliche-kontrolle-bei-wahl-von-hauptamtlichen-kommunalen-beigeordneten-bundesverwaltungsgericht-urteil-v-10-04-2025-az-2-c-12-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hotstegs-recht.de\/?p=10063","title":{"rendered":"Eingeschr\u00e4nkte gerichtliche Kontrolle bei Wahl von hauptamtlichen kommunalen Beigeordneten, Bundesverwaltungsgericht, Urteil v. 10.04.2025, Az. 2 C 12.24"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Bestenauswahl aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/33.html\" title=\"Art. 33 GG\">Art.&nbsp;33&nbsp;Abs.&nbsp;2 GG<\/a> vermittelt einem Bewerber bei der Wahl eines Beigeordneten durch den Gemeinderat einen gerichtlich \u00fcberpr\u00fcfbaren Anspruch auf chancengleiche Ausgestaltung des Bewerbungsverfahrens. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute entschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kl\u00e4ger bewarb sich neben f\u00fcnf weiteren Personen, darunter der Beigeladene, bei der beklagten baden-w\u00fcrttembergischen Stadt f\u00fcr die Stelle des Ersten Beigeordneten. Der Gemeinderat w\u00e4hlte mit 15 Stimmen den Beigeladenen, der Kl\u00e4ger erhielt keine, ein weiterer Bewerber sieben Stimmen. \u00dcber den Ausgang der Wahl wurde der Kl\u00e4ger unmittelbar im Anschluss informiert. Einen Tag sp\u00e4ter bestellte die Beklagte den Beigeladenen unter Aush\u00e4ndigung der Ernennungsurkunde zum Ersten Beigeordneten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hiergegen hat der Kl\u00e4ger im Folgemonat Widerspruch und sp\u00e4ter Klage erhoben. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Auf die Berufung des Kl\u00e4gers hat das Berufungsgericht die Ernennung des Beigeladenen zum Ersten Beigeordneten aufgehoben. Zur Begr\u00fcndung hat es ausgef\u00fchrt, die Besetzung der Stelle mit dem Beigeladenen verletze den Kl\u00e4ger in seinem aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/33.html\" title=\"Art. 33 GG\">Art.\u00a033\u00a0Abs.\u00a02 GG<\/a> folgenden Bewerbungsverfahrensanspruch. Zwar sei die eigentliche Wahl des Beigeordneten einer gerichtlichen Kontrolle entzogen. Die Ausgestaltung des Stellenbesetzungsverfahrens unterliege aber einer gerichtlichen \u00dcberpr\u00fcfung. Im vorliegenden Fall sei die Grenze zur unzul\u00e4ssigen Voreingenommenheit und damit zur Rechtswidrigkeit des Auswahlverfahrens \u00fcberschritten. Schon bei der Schaffung und Ausgestaltung der Stelle des Beigeordneten habe f\u00fcr die Mehrheit des Gemeinderats festgestanden, dass der Beigeladene die Stelle erhalten solle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundesverwaltungsgericht hat auf die Revision der Beklagten das Urteil des Berufungsgerichts aufgehoben und die Berufung des Kl\u00e4gers zur\u00fcckgewiesen. <strong>Zwar beruht die Wahl zum Beigeordneten auf einem Akt demokratischer Willensbildung, weshalb der Wahlakt selbst einer inhaltlichen Kontrolle durch die Gerichte entzogen ist. Aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/33.html\" title=\"Art. 33 GG\">Art.\u00a033\u00a0Abs.\u00a02 GG<\/a> ergibt sich aber ein Anspruch des Bewerbers auf chancengleiche Ausgestaltung der der Wahl vorgelagerten Verfahrensschritte. Verfahrensgestaltungen, die ohne sachlichen Grund eine unterschiedliche Behandlung des Bewerberfeldes vorsehen, verletzen den Bewerbungsverfahrensanspruch des benachteiligten Bewerbers. Die Einhaltung des Gebots der Chancengleichheit ist von den Gerichten auch daraufhin zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob in der Person des (Mit-)Bewerbers gesetzlich bestimmte Voraussetzungen f\u00fcr das Wahlamt vorliegen und ob er ein etwaig zwingendes Anforderungsprofil der ausgeschriebenen Stelle erf\u00fcllt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgehend hiervon hat die Beklagte den Anspruch des Kl\u00e4gers auf chancengleiche Ausgestaltung des Bewerbungsverfahrens nicht verletzt. Aus dem Zuschnitt der neu geschaffenen Stelle eines Beigeordneten l\u00e4sst sich grunds\u00e4tzlich noch keine &#8222;Voreingenommenheit&#8220; des Gemeinderats ableiten. Auch eine auf (kommunal-)politischen Erw\u00e4gungen beruhende Willensbildung im Gemeinderat ist nicht zu beanstanden, wenn die formalen Anforderungen an ein rechtsstaatliches und dem Grundsatz der Chancengleichheit entsprechendes Verfahren gewahrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorinstanzen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">VG Sigmaringen, VG <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20K%202218\/21\" title=\"VG Sigmaringen, 30.03.2023 - 2 K 2218\/21\">2 K 2218\/21<\/a> &#8211; Urteil vom 30. M\u00e4rz 2023 &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">VGH Mannheim, VGH <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=4%20S%201511\/23\" title=\"VGH Baden-W&uuml;rttemberg, 23.04.2024 - 4 S 1511\/23: Ernennung zum Beigeordneten\">4 S 1511\/23<\/a> &#8211; Urteil vom 23. April 2024 &#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der verfassungsrechtliche Grundsatz der Bestenauswahl aus Art.&nbsp;33&nbsp;Abs.&nbsp;2 GG vermittelt einem Bewerber bei der Wahl eines Beigeordneten durch den Gemeinderat einen gerichtlich \u00fcberpr\u00fcfbaren Anspruch auf chancengleiche Ausgestaltung des Bewerbungsverfahrens. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute entschieden. 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