Zeuge: Es sollten 25.000 Mark in Loskants Papierkorb abgelegt werden, Neuß-Grevenbroicher-Zeitung v. 21.06.2000

Schmiergeld-Prozess gegen ehemaligen Baudezernenten ging gestern weiter

Meerbusch. Am 24. Verhandlungstag im Schmiergeld-Prozess gegen den ehemaligen Meerbuscher Baudezernenten Berthold Loskant und Ex-Terra-Chef Hermann Rehbein wurde gestern der Kaufmann Heinrich Volker G. als Zeuge vernommen. Durch seine Aussage 1997 war die Affäre ins Rollen gekommen.

Der Zeuge hatte damals den früheren Stadtdirektor Thomas Uhling angerufen und ihm eine Aktennotiz gefaxt. Kontakte zu Loskant, so G., habe es schon früh gegeben, da sei der Beschuldigte noch Planungsamtsleiter gewesen. G. hatte in Meerbusch unter anderem ein Grundstück, das er bebauen wollte. G. sagte aus, 1994 habe er eine Bauanfrage gestellt, die Teilung des Grundstücks wurde abschlägig beschieden; sie verstoße gegen geltendes Baurecht.

Im Herbst habe G. dann eine Spende von 5.000 Mark für das Behindertenheim überwiesen, für das sich Loskant engagiert habe. Ende 1994 sei die Teilung genehmigt worden, allerdings durfte nur eine Fläche des Areals bebaut werden, auf der anderen lag eine Baulast. G. führte aus, er habe 1996 ein Gespräch in Loskants Büro geführt, wobei das Grundstücksproblem besprochen worden sei. Im Lauf der Unterredung habe ihm Loskant die Frage gestellt, was ihm die Sache wert sei. G. sagte, sein Gedanke sei gewesen, es handele sich wieder um Spenden fürs Behindertenheim.

So habe er auf einen gereichten Zettel „50.000 Mark“ geschrieben. Dabei sollten 25.000 Mark in einem Umschlag in Loskants Papierkorb abgelegt werden, die Restsumme hätte nach erteilter Baugenehmigung folgen sollen. G.: „Herr Loskant sagte mir, es könne ein neuer B-Plan aufgestellt werden, der die Bebauung des Grundstücks mit zwei Häusern zulasse.“ Zur Spende gab der Zeuge an, er halte das Behindertenheim für eine gute Sache, zudem habe er in der Stadtverwaltung eine „positive Stimmung“ erzeugen wollen.

Und 50.000 Mark sei ihm, so G., die Sache wert gewesen, da das Grundstück vorfinanziert war, es Bankprobleme gegeben habe. Außerdem habe er gehört, mit Spenden sei alles zu erreichen. Tatsache ist, dass G. nicht gezahlt hat, sich vielmehr mit Strafrechtlern besprochen hat, aber auch mit dem Planungsausschuss-Vorsitzenden Eberhard Kuntze. Der habe Loskant angesprochen, dieser aber alle Vorwürfe abgestritten. Kuntze habe G. den Rat gegeben, unter Einschaltung der Kripo eine Schein-Geldübergabe zu organisieren. Dies sei aber G. zu heiß gewesen, da er keinerlei Beweise hatte.

Bis zur Verhaftung von Loskant habe sich G., so sagte er, besonders durch die Presse massiv unter Druck gefühlt. Zum Verwaltungsgericht, so G. auf die Frage des Vorsitzenden Richters Gerhard Rieck, habe er wegen der langen Dauer solcher Verfahren nicht gehen wollen. Sowohl Loskant-Verteidiger Claus-Henning Obst als auch Loskant hielten G. vor, er habe mit verschiedenen Maßnahmen gute Stimmung für sein Vorhaben machen wollen. Dazu gehörten nicht nur die Spende von 5.000 Mark, sondern auch die Möglichkeit, ein Mitarbeiter der Verwaltung könne sich (per Flugzeug) ein Renaturierungsgebiet in England ansehen.

Mit der Bank habe G. wegen einer Spende über 30.000 Mark für die Behinderten gesprochen. Er habe angeboten, Beton für das Behindertenheim und auch für Hochbauamtsleiter Martin Struck möglicherweise kostenlos liefern zu können. Lothar Seidel

Autor/in Mitarbeiter