„Rehbein hat Probleme auf seine Art gelöst“, Neuß-Grevenbroicher-Zeitung v. 18.05.2000

Landgericht: Groteske Züge beim Loskant-Prozess

Meerbusch. Zum ersten Mal dachten die Rechtsanwälte Dr. Claus Henning Obst und Dr. Jürgen Eimer am 16. Verhandlungstag über die Vereidigung eines Zeugen nach. Im Korruptionsprozess gegen ihren Mandanten Berthold Loskant und den Geschäftsmann Hermann Rehbein vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf sagte jetzt ein 72-jähriger Bauunternehmer aus Grevenbroich aus.

Die Verhandlung trug bisweilen kabaretthafte Züge, die selbst dem umgänglichen Vorsitzenden Richter Gerhard Rieck den Geduldsfaden reißen ließen. Freundlich aber bestimmt belehrte er K., dass er Fragen des Gerichts, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung nicht zu kommentieren, sondern zu beantworten hätte. Fragen würden in der Regel so gestellt, dass schon ein „Ja“, „Nein“ oder „Ich weiss nicht“ als Entgegnung reichen könne.

Der frühere Vize-Stadtdirektor Berthold Loskant ist wegen des Verdachts der Untreue und Bestechlichkeit, Rehbein wegen angeblicher Beamtenbestechung angeklagt. Zuvor hatte der 72-jährige Zeuge im Tonfall eines Willy Millowitsch immer wieder betont, dass er mit der Zahlung von Schmiergeld bei dem „Bauvorhaben Famka-Markt in Büderich“ nichts zu tun gehabt habe. „Herr Rehbein hat das Problem auf seine Art gelöst“, sagte er. Wer, wann, was erhalten habe, sei ihm nicht bekannt.

Dass es bei dem Projekt Mitte der 80er Jahre Schwierigkeiten gegeben habe, die mit Hilfe von ,n. A.“ gelöst werden sollten, sei ihm von Rehbein mitgeteilt worden. „Wobei „n. a.“ für nützliche Ausgaben steht“, erklärte der Bauunternehmer. Dieses Synonym steht für Schmiergeld und sei ihm aus seiner Tätigkeit im Vorderen Orient bekannt. „In Deutschland hab‘ ich so was nie gemacht“, sagte er. Seinen ehemaligen Angestellten E., der als Zeuge an einem der ersten Verhandlungstage von „50.000 Mark Schmiergeld für Loskant“ gesprochen hatte, bezeichnete K. als eine „schillernde Persönlichkeit“.

Näheres wollte er dazu nicht erläutern. Nur so viel: „Ich kann die Aussage, die E. vor Gericht gemacht hat, nicht nachvollziehen.“ Obwohl die geschäftliche Verbindung zwischen K. und Rehbein seit mehreren Jahren ruhe, habe er vor rund zehn Tagen zuletzt mit Rehbein persönlich gesprochen. Da sei es um die „juristische Auflösung einiger Projektgesellschaften“ gegangen.

Keinesfalls hätten er und Rehbein seine Aussage verabredet, antwortete er Loskants Anwälten, die daraufhin auf eine Vereidigung des Zeugen verzichteten. Die Verhandlung wird am 23. Mai fortgesetzt. Als Zeugen sind der frühere Meerbuscher Stadtdirektor Thomas Uhling und die Schwiegermutter des Angeklagten Loskant geladen. sti

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