Ehemaliger Schlossherr reichte Klageschrift ein, Neuß-Grevenbroicher-Zeitung v. 16.08.2000

Korruptionsprozess gegen Loskant und Rehbein

Meerbusch. Der frühere Eigentümer von Schloss Pesch will sich mit zivilrechtlichen Forderungen an den Strafprozess gegen den ehemaligen Vize-Stadtdirektor Berthold Loskant hängen. Darüber informierte Gerhard Rieck, Vorsitzender Richter der Großen Strafkammer am Landgericht Düsseldorf, am 29. Verhandlungstag. Angeklagt sind Loskant wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Untreue sowie der Unternehmer Hermann Rehbein wegen angeblicher Beamtenbestechung.

Rieck berichtete von der Möglichkeit, zivilrechtliche Ansprüche in einem Strafprozess mit klären zu lassen. Der Rechtsanwalt des früheren Schlossherrn W. aus Bösinghoven hatte eine entsprechende Klageschrift eingereicht, die im Gerichtssaal dem Beklagten Loskant zugestellt wurde. Auch die Staatsanwaltschaft bekam ein Exemplar. Loskants Anwalt Dr. Claus Henning Obst und die Oberstaatsanwältin Beate Thiele versicherten, bis spätestens 5. September Stellungnahmen abzugeben.

Im Prozess hatte W. schon einmal als Zeuge ausgesagt. Damals schilderte er, dass seine Umbau- und Nutzungswünsche im Schloss nur nach Zahlung von Schmiergeld genehmigt worden wären. Er berief sich dabei auf einen Bekannten, der gewusst habe, dass ähnliche Methoden beim Bau eines Supermarktes in Büderich angewandt worden seien. Schon damals hatte W. auf dem Gerichtsflur erklärt, er werde für die Pleite als Schlossherr Schadensersatz von der Stadt verlangen.

Der mit 36 Millionen Mark verschuldete W. kündigte an, acht Millionen Mark von der Kommune einfordern zu wollen. Sogar eine zweite Stellungnahme muss Oberstaatsanwältin Thiele abgeben: Rehbeins Verteidiger Thomas Elsner beantragte, den Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufzuheben. Elsner führte aus, dass sowohl Flucht- als auch Verdunklungsgefahr keine Rolle mehr spielten. Rehbein sei voll geständig und sich im Klaren darüber, dass am Ende des Prozesses eine Verurteilung erfolge.

Bislang sei er zu allen Verhandlungstagen pünktlich erschienen, habe die Auflage genau befolgt. Der Haftbefehl sei zwar ausgesetzt, dennoch entstünden finanzielle Nachteile: Immerhin hatte Rehbein eine Kaution in Höhe von 300.000 Mark hinterlegt. Zur Sache sagte die Zeugin H. aus der Stadtverwaltung aus. Sie bestätigte auf Obsts Fragen, dass Loskant bei der Ermittlung der Zahl der Stellplätze für den Baumarkt in Osterath nicht mitgewirkt habe. Loskant wird vorgeworfen, zum Nachteil der Stadt auf Stellplätze oder deren Ablösezahlung verzichtet zu haben.

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